Hoffnungsthaler Messerwerkstatt
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Moneta Romana an Damast

Im Januar 2013 konnte ich im Kölner Münzkabinett günstig zwei römische Münzen erwerben. Diese inspirierten mich sofort zu einem Messerbau nach Art des Carolus Magnus, das sich mittlerweile größter Beliebheit erfreut und mir aus der Szene viele Achtungserfolge einbrachte.
Ich griff auf die bewährten Materialien zurück, dem Klingenstahl aus pulvermetallurgisch hergestelltem Rosendamast sowie einer Sambarhirschrolle aus Indien. Zur römischen Bronzemünze kaufte ich einen Bronzeblock von 4 X 4 cm, aus dem ich die Zwinge feilen wollte.

Auf dem unteren Bild erkennt man, dass ich den Bronzeblock bereits auf das ungefähre Maß des unteren Griffstückes zugefeilt habe. Zudem habe ich eine 15 mm starke Bohrung angebracht und aus dem Hirschhorn einen entsprechenden Zapfen geschnitten, damit eine größtmögliche Stabilität gewährleistet ist.
Sorgfältiges Ausfeilen der Zwinge mit kleinen Diamantfeilen zur Aufnahme der Steckangel.
Immer wieder anpassen und feilen, feilen, feilen ............
Jetzt sieht die Zwinge schon anders aus, nachdem ich die ersten Zierelemente ausgefeilt hatte.
Und fertig ist die Zwinge. Da mir der Schlitz zur Steckangelaufnahme nicht völlig spaltfrei gelungen war, griff ich auf eine alte Handwerkstradition, dem Verdrängen von Material, zurück. Ich steckte die Klinge in die Zwinge und spannte beides dann senkrecht fest in den Schraubstock. Mit einem Gasbrenner erhitzte ich die Zwinge und trieb mit Hammer und Körner den Schlitz spaltfrei zu. Ich war völlig überrascht, dass das so funktionierte.
Die Oberfläche war natürlich völlig ruiniert und musste mühsam plangeschliffen werden.
Die Münze wurde, wie beim Carolus Magnus, mit einer Schraube verklebt und verbacken. Anders als beim CM passte ich hier die Hornstruktur der Münze an.
Ich musste relativ viel Horn abtragen und dabei dessen Struktur beschädigen. Da der Bronzeton jedoch hervorragend zu den hellen abgeschliffenen Stellen passte, beschloss ich, den gesamten Griff planer zu schleifen und die dunklen Elemente restlos zu entfernen.
Experiment gelungen, jetzt hat der Sambarhirsch Elfenbeincharakter.
Links im Bild wartet die zweite Münze auf ihre noch ungewisse Bestimmung.
Stundenlanges Aushöhlen des Hornstückes zur Aufnahme der Steckangel.
Verkleben der Elemente mit Epoxydharz und 72 Stunden Trocknungszeit.
Sieht gut aus, fasst sich toll an.
Meine Frau erhebt erste Ansprüche.
Der Krokodilschwanz (natürlich mit Citis) ist leider zu schmal für eine Scheide, obwohl er farblich hervorragend passen würde.
Jetzt erst mal passendes Leder suchen und mit Farbtönen experimentieren.
21. Februar 2013
Bin ledermäßig fündig geworden. Habe mir eine Lederplatte vom schwedischen Hoflieferanten bestellt, die lediglich 1,5 mm stark jedoch extrem belastbar ist.
War zunächst tierisch enttäuscht, da die Lederplatte knüppelhart war, zudem farblich wenig ansprechend. Beim Schneiden eines Maßriemens brach das Leder wie ein Streichholz auseinander.
Nähere Einzelheiten zum weiteren Bearbeitungsprozess siehe Kapitel Scheidenbau.

Zumindest ist sie nun zufriedenstellend fertig geworden, sitzt wie ein Handschuh und fühlt sich an wie Holz.
Habe leichte Bearbeitungsspuren der kleinen Zwingen während des Trocknungsprozesses nicht beseitigt; so entsteht der Eindruck von jahrelangen Gebrauchsspuren.
Ich hatte schon seit geraumer Zeit die Vorstellung, einmal eine Scheide zu bauen, deren Scheidenmund aus demselben Material besteht, wie die Zwinge des Messers. Da die Scheide somit nicht den Griff umschließen kann, sollte sie mit Magneten an der Klinge haften.
Ich experimentierte viel herum, verschnitt eine Menge Leder, feilte, wie bei der Zwinge, aus vollem Material den Scheidenmund heraus und bin mit dem Ergebnis rundherum zufrieden.
Rechts und links sind kleine Lederflicken aufgenäht, die mittig meine Initialen zieren und die die Rundmagnete in Lederstärke halten und verdecken.
Vor dem Färben habe ich partiell Lederfett aufgetragen. An den Stellen konnte dann die Farbe weniger gut eindringen. Hierdurch entstand das gewollte "antik finish". Die Scheide läßt sich butterweich öffnen und schließen und hält dennoch sicher fest.

Weitere Details zur Fertigung der Scheide können dem Kapitel

"Bau einer Lederscheide" entnommen werden.

Hoffnungsthal, 19. April 2013
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