Hoffnungsthaler Messerwerkstatt
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Urnenbau

Meine Mutter verstarb am 31.Dezember 2012. Angesichts der phantasielosen Produkte aus dem Bestattungsgewerbe beschloss ich, die Urne meiner Mutter selbst zu bauen.

Aus abgelagertem Eichenholz in der Stärke von 10 mm baute ich das Grundelement, das mit Holzleim verklebt und mit 12 Holzdübeln von 3 mm Stärke verbunden wurde.
Aus einem selbstgefrästen 12fach Profil schnitt ich die Leisten für den unteren Rahmen auf Gehrung.
Der Rahmen wird verleimt und mit 6 mm Holzdübeln stabilisiert.
Vier Kugelfüße sind verschraubt und verleimt. Auf der Vorderseite habe ich eine ovale Öffnung angebracht, die später das Bild meiner Mutter zeigt. Neben den Rand der Öffnung habe ich umlaufend zur Vertiefung der Darstellung ein Rundprofil gefräst.
Der Truhendeckel wird vorbereitet.
Die Profilleisten des Deckels werden verleimt und verdübelt. Die aufrecht stehenden Stücke bilden später das Verschlusselement.
Hier kann man deutlich das Verschlusssystem erkennen. Die Bohrungen in den Seitenteilen sind deckungsgleich mit den Bohrungen der senkrechten Stege. In die seitlichen Zierknöpfe habe ich 6 mm Holzdübel geleimt. Schließt man jetzt den Deckel und schiebt die Zierknöpfe ein, so ist der Deckel dauerhaft arretiert.
Das Foto meiner Mutter wässerte ich und verpresste es mit einer stark strukturierten Malerleinwand. Nach dem Trocknungsprozess erscheint die Leinenstruktur auf der Fotooberfläche. Das Foto malte ich dann mit Ölfarbe (sogenannter Strukturlack) nach.
Die Leinwandrückseite befestigte ich auf einer Sperrholzplatte, die dann mit dem Urnenkorpus verleimt wurde.
Die Oberflächenbehandlung besteht aus einer von mir selbst zusammengestellten Bienenwachslösung.
Seitenansicht.
Vor einigen Jahren fertigte ich für eine mir sehr Nahestehende schon einmal eine Urne. Das Rautenmuster war eines ihrer Lieblingsmotive.
Jede Urnenseite wurde anders gestaltet. Die Bildbearbeitung erfolgte nach demselben Prinzip, wie zuvor dargestellt.
Darstellung eines gotischen Kirchenelementes.
Der Urnenbau macht mir sehr viel Freude. Einerseits dient er, bei nahen Angehörigen, der Trauerbewältigung, andererseits sind der Phantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt. Kann man doch auf wunderbare Weise Vorlieben, Hobbys, Lebensgewohnheiten oder Beruf der Verstorbenen ausdrücken und ihnen damit wirklich die "letzte Ehre" erweisen.
Das Material muss natürlich nicht immer Holz sein.
Ich arbeite zur Zeit an Entwürfen für meine eigene Urne, da ich nicht beabsichtige, mich irgendwann in einer "Blumenvase" bestatten zu lassen.
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